Die Geschichte des Weinberges

Es ist schon eine Rarität, dass soweit im Norden Hessens oberhalb des 50. Breitengrades ein guter Tropfen - zugehörig zum Anbaugebiet „Rheingau“ - gedeiht. Als historisch überliefert gilt allerdings, dass der Weinbau in unserer Region bereits in früheren Jahrhunderten - wahrscheinlich durch Kloster und Mönche - betrieben wurde, z. B. um Messwein herzustellen.
Die Gemarkungs- und Furbezeichnung „Weinberg“ und „Am Weinberge“ legt dafür ein Zeugnis ab.

Vermutlich durch Klimaveränderungen, aber auch durch Krieg und Zerstörung (z. B. während des 30jährigen Krieges) kam die Rebenverarbeitung dann zum Erliegen, ehe der Bauunternehmer Georg Angersbach Anfang 1950 die Tradition wieder aufgriff.

Gegen anfangs starke Skepsis des Staatlichen Weinbauamtes in Eltville, wählte er die südwestlich ausgerichtete Hanglage „Am Weinberge“ in der Felsberger Gemarkung Böddiger, um Terrassen für den Weinbau anzulegen, sie teilweise mit Steinen und Betonplatten zu bewehren und so bis zu 7 Hektar Anbaufläche zu kultivieren.

Im rauen, nordhessischen Klima hatten es die ihm anfangs vom Weinbauamt empfohlenen Sorten Silvaner, Kerner, Müller-Thurgau und Ehrenfelser schwer, das im zehnjährigen Mittel geforderte Durchschnittsmostgewicht von 70 Grad Öchsle zu erreichen.
Der von Angersbach geerntete Wein zeichnete sich durch fruchtige Frische aber auch geschliffene, herbe Säure aus, was ihm die Bezeichnung „knochentrocken“ oder auch „Dreimännerwein“ einbrachte.

Angersbach konnte seinen Weinbetrieb zusammen mit der errichteten Gaststätte „Zum fröhlichen Weinberg“ bis Anfang der 70er Jahre für Freunde des trockenen Weines aufrechterhalten, ehe insbesondere frost- und witterungsbedingte Ausfälle zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und finanziellen Problemen führten, die die Fortsetzung der Rebenveredelung am Böddiger Berg wieder in Frage stellten.

Nach mehreren Verwertungsversuchen wurde nach dem Tod des Gründers in 1979 das Areal schließlich in 1990 von der Drogenhilfe Nordhessen e. V. mit Hilfe des Hessischen Sozialministeriums übernommen und als Therapieeinrichtung genutzt.

Da der Weinbau nicht mehr mit den Zielen einer Einrichtung für Drogenabhängige im Einklang sind, wurde ein Großteil der Rebflächen stillgelegt und gerodet.

Die Tradition am Böddiger Berg wäre damit unumgänglich wieder beendet gewesen, hätten sich nicht in 1992 Freunde und Liebhaber des edlen Tropfens aus Nordhessen zusammen gefunden und den „Förderverein Böddiger Berg e. V.“ gegründet.
Dieser Verein pachtete etwa 2 Hektar des ehemaligen Weingutes, von denen noch rund 1,4 Hektar überwiegend mit der Sorte „Ehrenfelser“ bestückt war, vom Drogenverein an und setzte gemeinsam mit dem Sohn Karl Angerbachs, des ehemaligen Besitzers, die Bewirtschaftung auf ökologischer Basis fort.

Die Fördergruppe besteht bei der Vereinsgründung aus 15 persönlichen und institutionellen Mitgliedern, die alle eine finanzielle Spende als Startkapital für die neue Unternehmung zur Verfügung stellten. Erster Vorsitzender und bis heute an der Spitze des Vereins wurde der seinerzeitige Bürgermeister und heutige Ehrenbürgermeister Klaus Stiegel der Stadt Felsberg. Zurzeit umfasst die Vereinigung 24 Mitglieder. Sie ist e. V. Und als gemeinnützig anerkannt.